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DAS BLAUMÄNNLE
 
ABWASSER / Kanalbau im Schutzgebiet erfordert besonderes Verfahren
Im Schneckentempo durchs Tiefental
Baustelle erstreckt sich über elf Kilometer - Pflanzenstandorte geschützt
Die Maschine macht ohrenbetäubenden Lärm. Wo sonst Wanderer und Radfahrer Erholung suchen, zieht eine Fräse den Graben für einen elf Kilometer langen Abwasserkanal von Heroldstatt nach Weiler. Ausnahmezustand im Tiefental.
JOACHIM STRIEBEL
Für die zwölf Männer der Firma Schifer ist es eine ungewöhnliche Baustelle: sie erstreckt sich über eine Länge von elf Kilometern und ist nur wenige Meter breit. Links und rechts darf kein Material gelagert werden und die Baufahrzeuge sollen den Weg nicht verlassen. Denn im weitgehend unberührten Tiefental reihen sich Landschaftsschutzgebiet, Flora-Fauna-Habitat-Gebiet, Bannwald und Artenschutzgebiet aneinander. Dort soll nichts zerstört werden. Für die Ableitung des gesäuberten Abwassers der Kläranlage Heroldstatt, das wegen des Trinkwasserschutzes künftig nicht mehr in einer Erdspalte versickern soll, hat sich die Gemeinde in Abstimmung mit den Behörden zum Bau eines Druckkanals zur Aach entschlossen - wohl wissend, dass Bauarbeiten im Tiefental nicht unproblematisch sind. Die im Auftrag der Gemeinde Heroldstatt arbeitenden Ingenieure des Büros Langenbach aus Sigmaringen und die Baufirma Schifer aus Saalfeld/Thüringen haben sich ein System ausgedacht, das die Eingriffe so gering wie möglich hält: Ein auf Raupen fahrendes Gerät fräst in der Mitte des Schotterwegs einen sechzig Zentimeter breiten und 1,70 Meter tiefen Graben. Ein von der Maschine gezogener Stahlblechverbau stabilisiert die Wände des Grabens, in den sogleich die vom Montagetrupp zusammengeschweißten Rohre gelegt werden. Neben dem grünen 225-Millimeter-Rohr fürs Abwasser kommt ein schwarzer 110-Millimeter-Kunststoffschlauch als Leerrohr für noch zu verlegende Kabel in die Erde. Ein mit einem Sieblöffel ausgerüsteter Bagger fährt einige Meter hinter der Fräse. Er nimmt den Aushub auf und siebt ihn im Löffel. Das feine Material fällt auf die Rohre, die somit vor möglichen Beschädigungen durch spitze Steinbrocken geschützt sind. Normalerweise, so erklärt Polier Andreas Köhler, wird dafür Sand verwendet. Doch das hätte viele Lkw-Fahrten durchs Tal bedeutet. Ein zweiter Bagger verdichtet die Erde und ebnet den Weg, ein dritter modelliert das Bankett. So haben die Bauleute vom Wanderparkplatz bei Weiler in Richtung Heroldstatt schon rund viereinhalb Kilometer geschafft. Bauunternehmer Eberhard Schifer rechnet damit, dass die Fräsarbeiten - falls es gut läuft - bis Ende September abgeschlossen sein werden. Die Grabenfräse schafft zwischen 150 Meter und 500 Meter pro Tag. Je nachdem, ob Lehm, Kalkschutt oder Fels ansteht. "Die Fräse gibt das Tempo vor", sagt Schifer. Der Montagetrupp voraus, der die Rohrstücke zusammenschweißt, und die Baggerführer hintendrein müssten mal schnell und mal langsam arbeiten. Stellenweise entdeckten die Bauleute eine Schicht aus gesetzten Steinbrocken - ein Hinweis darauf, dass der Weg einst zur Panzerstraße ausgebaut wurde. Wie Ingenieur Hanspeter Hiob erklärt, arbeitet ein zweiter Bautrupp oben unweit der Kläranlage Heroldstatt, um dort in konventioneller Bauweise die ersten 300 Meter der Abwasserleitung als "Freispiegelkanal" zu bauen. Nächste Woche werden im Aachtal die B 492 und die Bahnlinie mit einem Pressbohrverfahren unterquert. Der letzte Abschnitt zwischen Bahn und Aach wurde bereits mit dem Bagger fertiggestellt. Die Maßnahme kostet insgesamt 1,9 Millionen Euro. Um den Belangen des Naturschutzes Rechnung zu tragen, hatte es im Vorfeld - wie vom Blaubeurer Gemeinderat gefordert - Besprechungen mit der Naturschutzbehörde und den örtlichen Verbänden gegeben. Sensible Pflanzenstandorte am Wegrand wurden von den Naturschützern kenntlich gemacht. Im Tiefental wird der letzte Arbeitsschritt darin bestehen, einen Belag aus feinem Schotter aufzubringen. Denn der Weg soll danach wieder Wanderern und Radlern zur Verfügung stehen.
 
Erscheinungsdatum: 03.09.2010, Copyright Das Blaumännle
 
 
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