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DAS BLAUMÄNNLE
 
TIERE / Urgeschichtliches Museum eröffnet morgen eine neue Sonderausstellung
Dem Wolf den Zahn gezogen
Hunde wurden vor gut 30 000 Jahren zu den ersten zahmen Haustieren erzogen
Vor gut 30000 Jahren beginnt die Zähmung des Wolfes. Eine Sonderausstellung im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren berichtet über Hunde und Wölfe und erklärt, wie es zur Annäherung zwischen Tier und Mensch kam.
THOMAS SPANHEL
Die ersten Hunde haben sich aus kleinen Wolfsjungen entwickelt. Die wuchsen bei den Menschen der Steinzeit auf und ließen sich schnell zähmen. Sie integrierten sich in die menschliche Gruppe und unterstützten diese Familie treu - als Gefährte und Spielkamerad für die Kinder. Die neue Sonderausstellung "Die Zähmung des Wolfes" im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren bietet nicht nur Hundeliebhabern viel Wissenswerte rund um das älteste Haustier des Menschen und über seinen Urahns, den Wolf. Es geht auch darum, wie der Mensch den Hund über die Jahrtausende hinweg unterschiedlich genutzt hat, wie sich der Wolf in den vergangenen Jahren in Deutschland wieder ansiedelte und sich Einstellungen ihm gegenüber veränderten. Nicht der Hund als Jagdhelfer steht am Beginn des ältesten menschlichen Haustiers, sondern der Hund als kuscheliger Gefährte, der den Pflegetrieb des Menschen anspornte. Denn ausgewachsene Wölfe, die sich in der Altsteinzeit über die Abfälle der Menschen hermachten, ließen sich sicher kaum mehr zähmen. Dafür aber zufällig gefundene Wolfsjunge, die von Streifzügen der Menschen mit ins Lager gebracht wurden, sich von den Menschen prägen ließen und sicher bald zum Liebling der Kinder wurden, sagt Andrea Skamletz. Man merkt: Die Frau, die zusammen mit der Kustodin des Museums Stefanie Kölbl die Ausstellung konzipierte, hat auch privat viel Erfahrung mit Hunden. Im Zusammenhang mit einer wissenschaftlichen Arbeit über Hunde am Tübinger Institut für Ur- und Frühgeschichte verschaffte sie sich außerdem einen breiten Überblick über steinzeitliche Wolfs- und Hundeknochenfunde, über genetische Forschungen, kulturhistorische und verhaltenspsychologische Untersuchungen. Dieses Wissen wird für die Ausstellung genutzt. Gleichzeitig wird die Theorie lebendig durch Wolfsfelle zum Anfassen und die unterschiedlichsten Hunde-Kuscheltiere, die einen Eindruck von der ungeheuren Rassenvielfalt dieses Haustiers vermitteln. Bei dem Volk der Turkana in Afrika hat der Hund noch heute Aufgaben, wie sie ein gezähmter Wolf in der Steinzeit vor 30 000 Jahren auch erfüllen konnte, berichtet Andrea Skamletz: "Er ist Gefährte, Wärmekissen, Babysitter sowie Abfall und Kotvertilger." In einem Schneesturm im Norden hat sie selbst schon erlebt, wie sich die Nordmänner auf den Spürsinn der Leithündin verlassen. In der Ausstellung kann man die Veränderungen feststellen, die beispielsweise zwischen einem Hunde- und Wolfsschädel auffallen. Hunde besitzen eine kürzere und breitere Schnauze, die Zähne rücken zusammen, der Hirnschädel ist kleiner als beim Wolf. Sehr frühe Schädel- und Knochenfunde wie etwa aus der Brillenhöhle sind noch nicht ganz eindeutig einem Hund oder Wolf zuzuordnen. Eindeutig als Hundeüberreste identifziert werden rund 16 000 Jahre alte Schädel - bei einem von diesen fehlten beispielsweise die zwei Vorbackenzähne von Geburt an. Forschungen haben gezeigt, dass sich schnell körperliche Veränderungen einstellen, wenn ein Tier gezähmt wird - da wird bald mit dem Schwanz gewedelt, statt spitzer wachsen dann Hängeohren. Zu Beginn der Entwicklung der Haustiere war wohl gar keine intensive Züchtung nötig, damit sich verschiedene Rassen bei Hunden entwickelten. Nach Ende der Eiszeit bewaldete sich Mitteleuropa, das Jagdverhalten der Menschen veränderte sich, in den dichten Wäldern leistete der Hund mit seinem Spürsinn als Jagdgehilfe gute Dienste. In der Jungsteinzeit vor etwa 6000 Jahren, als auch Rinder und Schafe als Haustiere gezüchtet wurden, wird der Hund als Hütehund genutzt. Die Vielfalt der Hunde nimmt zu - manche sind nur 32, andere aber 60 Zentimeter groß, berichtet Andrea Skamletz. Die Ägypter waren später so vernarrt in ihre Hunde, dass sie sich beim Tod eines ihrer Hunde wie bei einem Familienmitglied den ganzen Leib schoren. Kaum ein anderes Tier wurde im Laufe der Geschichte so verteufelt wie der Wolf: Man denke nur an die Gestalt des Werwolfes oder an das Märchen vom Rotkäppchen. Das war nicht immer so. Die römische Sage, dass Romulus, der Gründer Roms, und sein Bruder Remus von einer Wölfin aufgezogen wurden, ist nur ein Beispiel dafür, erfährt man in der Ausstellung. Heute erregt das Wiederauftauchen des Wolfes in Baden-Württemberg die Gemüter. In vielen anderen europäischen Ländern ist das längst wieder Normalität und das Nebeneinander gelingt problemlos. Die Ausstellung zeigt, dass man sich vor Wölfen nicht fürchten muss, dass sie wie Hunde vieles mit Menschen gemeinsam haben - wie etwa soziale Fürsorge oder Aufgabenteilung.
 
Erscheinungsdatum: 18.05.2012, Copyright Das Blaumännle
 
 
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