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DAS BLAUMÄNNLE
 
FASNET / Als Feuerteufel unterwegs in Blaubeuren
Mit der Maske im närrischen Treiben
3000 Hästräger und 4000 Zuschauer freuen sich über den Umzug, feiern und tanzen
Tausende Masken- und Hästräger haben Blaubeuren am vergangenen Wochenende gestürmt. Höhepunkt war der große Umzug vor 4000 Zuschauern. Die Gerhauser Feuerteufel und andere Blaubeurer Vereine hatten mit der Organisation alle Hände voll zu tun.
THOMAS SPANHEL
Schräge Klänge aus Richtung der Blaubeurer Stadthalle ermuntern den Feuerteufel-Neuling das schwarz-rot-gelbe Teufelshäs - eine weite Hose und eine weite Jacke - über mehrere Lagen warmer Wollklamotten zu ziehen. Schnell noch etwas schwarze Schuhcreme über die Stiefel geschmiert, damit der Kleiderordnung der Feuerteufel Genüge getan ist. Dann klirrt der Schellengurt schon in den Ohren, der große Beutel am Gurt ist vollgestopft mit Süßigkeiten und ein erster Blick durch die Maske in den Spiegel macht klar: Da steht kein Journalist mehr, sondern Feuerteufel Nummer 100. Los gehts, die Maske wieder am Rücken. Da hilft es nichts, leise zu gehen, um nicht die Blicke der Nachbarn auf sich zu ziehen: Die Narrenschellen scheppern sowieso. Also frisch auf, den Stubenhockern eine lange Nase gedreht. Schließlich befindet man sich in guter Tradition: Seit dem Mittelalter schlemmen und saufen die Leute zur Fasnet, um die anschließende Fastenzeit besser zu überstehen - von der katholischen Kirche oft sogar unterstützt. Am Stadtpark winken schon andere Hästräger und strömen in großen Gruppen Richtung Stadthalle. "Vergiss den Umzug!", empfiehlt eine Hexe. "Die Bar im Foyer der Stadthalle ist einfach super." Der Teufelslehrling trifft sich erst mal lieber mit seinen Höllenbrüdern zur Umzugs-Vorbereitung. Die erfahrene Teufelin Yvonne warnt den Neuling: "Pass auf, dass du nicht auf die Kinder trittst." Manfred Kloos, eine Gerhauser "Hausgeburt", erzählt von seinen 25 Jahren bei den Feuerteufeln, die er nicht missen will: "Wenn man in Not wäre: Auf die Feuerteufel ist immer Verlass." Manfred hat kein Teufels-, sondern ein Enten-Häs und tritt als Maskottchen der Gruppe auf. Bei der Gründung der Narrenzunft 1980 besann man sich einerseits, dass man den Gründer einer früheren Gerhauser Zündholz-Fabrik spöttisch als Feuerteufel bezeichnet hatte. Andererseits erinnerte man sich an die "Tauchentla" als früheren Spitznamen für alle Gerhauser, weil die vielen Gerhauser Fischer früher die Küche des Grafen auf Hohen-Gerhausen mit Enten versorgten. Kurz nach 13 Uhr wird der Umzug hinter der Stadthalle aufgestellt. Eine "Guggenmusig" sorgt mit dem Wiesnhit von 2009 für die Einstimmung: "Zehn Meter gehn, ja mei ist des schön. . ." Als der Startböller ertönt, ist der Blaubeurer Spielmannszug schon anmarschiert. Die Maske wird übers Gesicht gezogen und die ersten tollpatschigen Schritte beginnen. Die Augenschlitze der Maske sind eng und vor den eigenen Füßen ist man blind. Schnell geht es an den ersten Zuschauern vorbei, der Zug soll zu Beginn der 112 Gruppen nicht allzusehr stocken. Es bleibt kaum Zeit, einige Bonbons ins Publikum zu werfen. Am Ende der Ulmer Straße wirds gemütlicher: Zeit, Kinder ins Visier zu nehmen. Die kennen längst die seltsamen Gestalten, freuen sich an den gelben Hörnern der Teufelsmaske - und besonders, wenn sie gleich darauf einen Bonbon bekommen. Nahe der alten Post ein längerer Stopp: Ein Bekannter will seine Frau im Arm eines Feuerteufels fotographieren - und weiß gar nicht, mit wem ers eigentlich zu tun hat. Das Tauchentla animiert die Zuschauer, ruft immer wieder: "Feuer", und wartet auf die Antwort "Teufel". Am Kirchplatz wird die einheimische Zunft, die das Fest für rund 4000 Zuschauer organisiert, enthusiastisch empfangen, die Teufelskinder klettern übereinander, bauen eine Pyramide. Die Süßigkeiten-Tasche leert sich zusehends, der Schweiß tropft von der Stirn, es wird warm hinter der Maske. Aber bald ist die Gruppe in der Gerbergasse, die Masken können fallen. Auch mit dem Häs am Rand des Zugs ist es schön. Die enorm hohe Pyramide der Scheiterhau-Hexa mit ihren schiefen Nasen sieht furchterregend aus. Fast putzig wirken dagegen der Wernauer Bauer und sein "Brotloible". Die Hochdorfer Dalba-Hexa lassen die 21-jährige Cynthia in einem Waschzuber kreiseln. Gut fünf mal ist sie schon abgeschleppt worden, berichtet sie gut gelaunt, ihre Bekannte hat vorsichtshalber eine Schere mitgebracht, um Fußfesseln schnell wieder loszuwerden. Immer mehr Menschen kommen später in die Stadthalle. Eine Band nach der anderen heizt den Leuten ein, zwischendurch legt ein DJ auf. "Es sind unheimlich viele Musikgruppen hier beim Umzug - prima für die Stimmung", urteilt Elke von den Blaubeurer "Leilichen". Das Tauchentla tanzt auf der Bühne - einige der Narren wagen sich auf die Tische und wippen und schunkeln. Die "Gartenzwergla" habens nicht leicht, mit ihren langen Schuhen Tanzschritte hinzubekommen, schaffens aber doch. Der Umzug ist längst vorbei, doch in den Blaubeurer Kneipen geht das Fest weiter. In der "Kulisse" tanzen die Leute zu lauter Musik. Gemütlicher geht es im Türmle zu: Dort hat der Motorradclub die Räume nicht nur mit bunten Girlanden dekoriert, sondern auch mit ausgedienten BHs. Immer wieder kommen Narrengruppen vorbei. Am meisten Erfolg haben vier musikalische "Zigeuner" aus Allmendingen: Mit Bonbons als Entlohnung geben sie Wunschmelodien zum Besten und lassen den Abend für die Zuhörer sanft ausklingen.
 
Erscheinungsdatum: 27.01.2012, Copyright Das Blaumännle
 
 
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